{"id":1671,"date":"2024-09-09T18:41:16","date_gmt":"2024-09-09T16:41:16","guid":{"rendered":"http:\/\/couven.motionandstrategy.de\/?p=1671"},"modified":"2025-10-10T17:26:01","modified_gmt":"2025-10-10T15:26:01","slug":"johann-joseph-couven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.couven-gymnasium.de\/wordpress2\/johann-joseph-couven\/","title":{"rendered":"Johann Joseph Couven"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Johann Joseph Couven (1701-1763)<\/h2>\n\n\n\n<p>Johann Joseph Couven bestimmte als erster Stadtarchitekt der Freien Reichsstadt Aachen das Baugeschehen zwischen Rhein und Maas zur Zeit des Barock. Mit seinen sorgf\u00e4ltig ausgearbeiteten Planvorlagen und einer an Frankreich orientierten Architektursprache markiert Couven einen Scheidepunkt vom handwerklich organisierten Baumeister zum akademisch ausgebildeten Architekten. Sein \u00fcberlieferter Plannachlass von etwa 700 Zeichnungen, gr\u00f6\u00dftenteils erhalten in seinem privaten Archiv (heute im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen) sowie in den Archiven verschiedener Auftraggeber, ist ein eindrucksvoller Beleg f\u00fcr die Kunst der Architekturzeichnung im 18. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann Joseph Couven wurde an 10. 11. 1701 in Aachen als Sohn des angesehenen reichst\u00e4dtischen Hauptsekret\u00e4rs, Notars und Gerichtsprokurators Johann Jakob Couven (1656-1740) und seiner zweiten Frau Maria Agnes von Baexen geboren. \u00dcber seine Ausbildung ist wenig bekannt. Wie sein Vater vor ihm besuchte er das Aachener Jesuitengymnasium, das er um 1719 absolviert haben d\u00fcrfte. \u00dcber ein Studium und eine Bildungsreise liegen keine Nachrichten vor. Im Winter 1724\/1725 ist seine T\u00e4tigkeit in Aachen erstmals bezeugt. Am 15.8.1731 heiratete er Maria Dorothea Gertrudis Mesters (1705-1788) aus Maastricht. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen Sohn\u00a0<a href=\"http:\/\/www.rheinische-geschichte.lvr.de\/persoenlichkeiten\/C\/Seiten\/JakobCouven.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jakob<\/a>\u00a0im Baub\u00fcro des Vaters den Beruf des Architekten erlernte und ihm 1760 im Amt des Stadtsekret\u00e4rs nachfolgte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Als Berufsanf\u00e4nger gestaltete Johann Joseph Couven 1727 die Aachener Rathausfassade. Ziel war eine Neugliederung, indem die unregelm\u00e4\u00dfigen gotischen Fenster\u00f6ffnungen in ein ausgewogenes Raster \u00fcberf\u00fchrt wurden und eine gro\u00dfz\u00fcgige Freitreppe das Zentrum einer symmetrischen Ausrichtung der Fassade bildete. 1739 bewarb sich Johann Joseph Couven erfolgreich um die prestigetr\u00e4chtige Position des ersten Stadtarchitekten der Freien Reichsstadt Aachen. Die neu eingerichtete Stellung band ihn \u2013 der h\u00f6fischen Bauorganisation vergleichbar \u2013 in die st\u00e4dtische Verwaltung ein, so dass er sich weitere Auftr\u00e4ge erschlie\u00dfen konnte. 1742 \u00fcbernahm er das Amt des Stadtsekret\u00e4rs.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Auftragsvolumen erzielte er durch ein erstarkendes B\u00fcrgertum, indem er seine Modernisierungstendenzen durch Konkurrenzentw\u00fcrfe einer lokalen Bautradition entgegen stellte und damit dem Wunsch seiner Auftraggeber nach einer repr\u00e4sentativen Wohnsituation entsprach. Progressive Architekturkonzepte konnte Couven franz\u00f6sischen Vorlagewerken entnehmen, deren Standardisierungsbestrebungen Eingang in seine Grundrisse und Entw\u00fcrfe zur Fassadengestaltung fanden. Seiner Entwurfsarbeit ma\u00df Couven eine gro\u00dfe Bedeutung bei, wenn er in seinem Anstellungsgesuch um die Position des Stadtarchitekten betonte, dass er sich&nbsp;<em>fast von Jugend auff in der Zeichnungskunst, Architectur, und Mathematique derma\u00dfen ge\u00fcbet und entlich qualificirt habe [\u2026], da\u00df in kurtzen Jahren durch mein Angeben und Direction viele ansehenliche, so wohl publique al\u00df private Geb\u00e4w zu mercklichem Lustre dieser Statt hingesetzet worden<\/em>. Welche Bedeutung er einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Baukunst beima\u00df, wird in seiner Abhandlung \u00fcber die \u201eS\u00e4ulen-Ordnung\u201c deutlich (Manuskript in der Technischen Informationsbibliothek Hannover).<\/p>\n\n\n\n<p>Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich Aachen zu einem florierenden Handelszentrum und einer der bedeutendsten Gewerbelandschaften Europas entwickelt. Eine relativ breite Schicht verm\u00f6gender B\u00fcrger profitierte von der Tuchindustrie als wichtigem Motor st\u00e4dtischen Wohlstands. Sie gaben repr\u00e4sentative Neu- und Umbauten ihrer innerst\u00e4dtischen Wohnh\u00e4user in Auftrag, f\u00fcr die Couven die Entwurfsvorlagen lieferte, wie f\u00fcr die Fabrikanten Mantels (1737), Oliva (1744) und Thimus (1754). Nicht jede Planfolge fand eine so beeindruckende Umsetzung wie das mond\u00e4ne Patrizierhaus der Familie von Wespien (1737), das Couven mit barocker Fassade, zentraler Treppenanlage und reicher Innenausstattung zu realisieren vermochte. Auch au\u00dferhalb Aachens lieferte er f\u00fcr wohlhabende Fabrikanten Entwurfsvorlagen, etwa f\u00fcr Familie Willems in L\u00fcttich (1738) und Familie Goertz in Eupen (1748). Neben konkreten Bauprojekten erarbeite er in verschiedenen Zeichnungen Mustervorlagen, um die Typologie des Drei-, F\u00fcnf- und Siebenfensterhauses systematisch vorzubilden.Als Stadtarchitekt verbesserte Couven die kommunale Infrastruktur als wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Ausrichtung des Aachener Friedenskongresses im Jahr 1748. Die Kongressteilnehmer gaben Anlass zur Errichtung des deutschlandweit ersten b\u00fcrgerlichen Theaters. Bei seiner Planung orientierte sich Couven typologisch an zeitgen\u00f6ssischen Residenztheatern und griff zugleich die spezifischen reichsst\u00e4dtischen Bed\u00fcrfnisse auf. Das Theater war am Katschhof zwischen den karolingischen Monumentalbauten Rathaus und M\u00fcnster gelegen. Couven sah sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, eine mittelalterliche Tuchhalle umzubauen und vermochte die schwierige Erschlie\u00dfungssituation durch eine grandiose Entwurfsidee zu bew\u00e4ltigen, die auch den Neubau eines Gerichtshauses integrierte. Sein weitsichtiger Umgang mit st\u00e4dtebaulichen Aufgaben wird auch anhand seiner Planungen zu Kuranlagen am Markt (1745) und in der Komphausbadstra\u00dfe (1750) dokumentiert. Das nat\u00fcrliche Vorkommen von schwefelhaltigem Quellwasser erwies sich im 18. Jahrhundert als zentraler Standortvorteil, als Aachen zu einem beliebten Modebad und Treffpunkt des hohen Adels avancierte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Mancher Kurgast lie\u00df sich von Schlossentw\u00fcrfen \u00fcberzeugen, so dass Couven in verschiedenen Planserien Umbauma\u00dfnahmen oder Neubauten projektierte. Die Wohnanspr\u00fcche orientierten sich an den in Frankreich kodifizierten Bauformen \u201eH\u00f4tel\u201c und \u201eMaison de plaisance\u201c, die Couven geschickt auch in bestehende Bausubstanz zu integrieren vermochte. Die Umsetzung der pers\u00f6nlichen Anforderungen der Bauherren im Hinblick auf ihre mittelalterlichen Residenzen dokumentieren die Planungen etwa zu Schloss Neubourg bei Maastricht in Zusammenarbeit mit\u00a0<a href=\"http:\/\/www.rheinische-geschichte.lvr.de\/persoenlichkeiten\/S\/Seiten\/JohannConradSchlaun.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Johann Conrad Schlaun<\/a>\u00a0(1734), Struthers Castle in der Grafschaft Fife\/Schottland (1747) und Gut Kalkofen in Aachen (1751). Dagegen boten zwei Neuanlagen in D\u00fcsseldorf (1748) und Maaseick (1752) im Auftrag der Wittelsbacher die M\u00f6glichkeit, aktuelle Architekturkonzepte mit einem differenzierten Raumprogramm in Neubauten zu verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitlich parallel laufende Projekte wahrzunehmen, obgleich sie mehrere Tagesreisen voneinander entfernt lagen, wurde durch das Erstellen detaillierter Planvorlagen m\u00f6glich, w\u00e4hrend die Bauaufsicht lokalen Fachkr\u00e4ften oblag, etwa wenn Couven die Hochalt\u00e4re f\u00fcr St. Andreas in D\u00fcsseldorf (1739) und St. Nikolaus in Eupen (1739) entwarf. Sakrale Neubauten errichtete er in Burtscheid\/Aachen, indem er zun\u00e4chst f\u00fcr die Abteikirche St. Johann den Westturm (1735), dann das Kirchenschiff (1748) entwarf und ebenso wie bei der benachbarten Pfarrkirche St. Michael (1748) der besonderen Hanglage Rechnung trug, indem er die Nordseite zur Schaufassade ausbildete. Zeitgleich entstand die Ungarnkapelle am Aachener M\u00fcnster (1748), die aufgrund statischer Schwierigkeiten jedoch niedergelegt werden musste. Auch der kuppelgew\u00f6lbte Mittelbau von St. Johann in Burtscheid bedurfte nachtr\u00e4glicher statischer Korrekturen, ein Aspekt, der auf ein m\u00f6gliches Ausbildungsdefizit Couvens hinweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der ungew\u00f6hnlich g\u00fcnstigen \u00dcberlieferungslage von Couvens privatem Planarchiv f\u00e4llt sein gebautes Werk heute bescheiden aus. Widrige Umst\u00e4nde standen vor allem seinen ambitionierten Schlossprojekten entgegen, die oftmals gar nicht oder nur reduziert zur Umsetzung kamen. Doch auch seine kommunalen Bauprojekte und privaten Wohnpalais fielen den Zeitl\u00e4ufen zum Opfer: Ein Gro\u00dfteil der von Couven errichteten Bauten wurde im Zweiten Weltkrieg und durch die anschlie\u00dfenden Sanierungsma\u00dfnahmen vernichtet. Zeugnisse seiner Architektur sind vor allem in Burtscheid, D\u00fcsseldorf und im Niederl\u00e4ndisch-Belgischen Grenzgebiet erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann Joseph Couven starb am 12. 9. 1763 in Aachen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Werke (Auswahl)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>St\u00e4dtische Auftr\u00e4ge<\/em><\/strong><br>Rathausfassade am Markt 1727 (zerst\u00f6rt)<br>Kom\u00f6dienhaus am Katschhof 1748 (zerst\u00f6rt)<br>Gerichtshaus am Katschhof 1748 (zerst\u00f6rt)<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Wohnh\u00e4user<\/strong><br><\/em>Haus zum Gro\u00dfen Pfau, Aachen, Umbau 1727 (zerst\u00f6rt)<br>Haus Wespien, Aachen 1734 (zerst\u00f6rt)<br>Haus Mantels, Aachen 1737 (nicht realisiert)<br>Haus Willems, L\u00fcttich, Umbau 1738<br>Haus Oliva 1739, Aachen, Umbau 1739 (zerst\u00f6rt)<br>Haus Zum Papagei, Aachen, Umbau 1747 (zerst\u00f6rt)<br>Haus Zum Elefant, Aachen, Umbau 1748 (zerst\u00f6rt)<br>Haus Fettwei\u00df, Eupen 1748<br>Haus Vercken, Eupen 1752<br>Haus Zum Blinden Esel, Aachen 1754 (zerst\u00f6rt)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Schlossanlagen<\/em><\/strong><br>Schloss Amstenrade, Niederl\u00e4ndisch-Limburg, Umbau 1732 (nicht realisiert)<br>Schloss Neubourg, Gulpen bei Maastricht, Umbau 1734<br>Schloss Schleiden, Eifel 1744 (nicht realisiert)<br>Struthers Castle, Fife\/Schottland, Umbau 1747 (nicht realisiert)<br>Schloss J\u00e4gerhof, D\u00fcsseldorf 1748 (wieder aufgebaut)<br>Gut Kalkofen, Aachen, Umbau 1751 (wieder aufgebaut)<br>Schloss Maaseik, Belgien 1751 (zerst\u00f6rt)<br>Schloss Breill, Geilenkirchen, Umbau 1754 (teilweise zerst\u00f6rt)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sakralbauten<\/em><\/strong><br>Turm von St. Johann, Burtscheid\/Aachen 1735<br>Ursulinenkloster, Aachen, Umbau 1745 (zerst\u00f6rt)<br>Kapelle Fettwei\u00df, Eupen 1748<br>St. Johann, Burtscheid\/Aachen 1748<br>St. Michael, Burtscheid\/Aachen 1748<br>Ungarnkapelle, Aachen 1748 (nicht realisiert)<br>Priorat Sinnich, Belgien 1753<br>Abteigeb\u00e4ude, M\u00fcnsterbilsen 1757 (zerst\u00f6rt)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sakraler Innenraum, Hauptaltar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lutherische Kirche, Vaals 1735<br>St. Marienberg, Neuss 1736 (zerst\u00f6rt)<br>St. Andreas, D\u00fcsseldorf 1739 (zerst\u00f6rt)<br>St. Nikolaus, Eupen 1739<br>Theresienkirche, Aachen 1748 (zerst\u00f6rt)<br>Kappelle Fettwei\u00df, Eupen 1748<br>St. Michael, Burtscheid\/Aachen 1748 (zerst\u00f6rt)<br>Ungarnkapelle 1748 (nicht realisiert)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Quellen (Auswahl)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Couven, Johann Joseph und Jakob: privates Planarchiv im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Couven, Johann Joseph,&nbsp;<em>Theorie \u00fcber die S\u00e4ulenordnung<\/em>, Manuskript in der Technischen Informationsbibliothek Hannover, Sammlung Haupt 254.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Literatur<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Arnold, Eduard Ph.,&nbsp;<em>Das Altaachener Wohnhaus<\/em>, Aachen 1930.<\/p>\n\n\n\n<p>Buchkremer, Josef, \u201cDie Architekten Johann Joseph und Jakob Couven\u201d, in:&nbsp;<em>Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins<\/em>&nbsp;17 (1896), S. 89-206.<\/p>\n\n\n\n<p>Kappler, Anke, Johann Joseph Couven (1701-1763).&nbsp;<em>Architekturentw\u00fcrfe f\u00fcr Stadt, Adel und Kirche<\/em>, Worms 2009.<\/p>\n\n\n\n<p>Pohle, Frank\/Preising, Dagmar (Hg.), [Tagungsband anl\u00e4sslich des 200. Geburtstages Johann Joseph Couvens mit Beitr\u00e4gen verschiedener Autoren], in:&nbsp;<em>Aachener Kunstbl\u00e4tter<\/em>&nbsp;63 (2003-2005), S. 14-209.<\/p>\n\n\n\n<p>Schoenen, Paul,&nbsp;<em>Johann Joseph Couven<\/em>, D\u00fcsseldorf 1964.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zitiert nach und mit freundlicher Genehmigung von&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.rheinische-geschichte.lvr.de\/persoenlichkeiten\/C\/Seiten\/JohannJosephCouven.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.rheinische-geschichte.lvr.de\/persoenlichkeiten\/C\/Seiten\/JohannJosephCouven.aspx<\/a>&nbsp;(letzter Zugriff 27.9.15)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Joseph Couven (1701-1763) Johann Joseph Couven bestimmte als erster Stadtarchitekt der Freien Reichsstadt Aachen das Baugeschehen zwischen Rhein und Maas zur Zeit des Barock. 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