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Couven startet neue Schulpartnerschaft mit dem Çemberlitaş Anadolu Lisesi in Istanbul

„Flucht/Migration- Integration-Partizipation in Deutschland und der Türkei“ lautete das vielschichtige Thema des Erasmus-Austauschprojektes zwischen dem Çemberlitaş Anadolu Lisesi in Istanbul und dem Couven Gymnasium in Aachen. Das Projekt war gleichzeitig der Auftakt einer neuen Schulpartnerschaft zwischen den beiden Schulen.

Anlass für das Projekt waren das 60jährige Bestehen des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens von 1961 sowie der EU – Türkei – Deal von 2016, mit dem Menschen auf der Flucht davon abgehalten werden sollen, von der Türkei aus weiter nach Europa zu gelangen.

Wir wollten wissen,

  • Warum verlassen Menschen ihre Heimat?
  • Welche Erfahrungen machen sie auf ihrem Weg?
  • Wie werden sie im Zielland aufgenommen?
  • Welche Chancen und Herausforderungen sind für die Betroffenen mit Flucht/Migration verbunden?
  • Was bedeuten die Erfahrungen von Flucht und Migration für die Identität der Betroffenen und für die der folgenden Generationen?
  • Verändern sich die Herkunfts- und Zielländer durch Flucht und Migration? Wenn ja, wie?
  • Wie reagieren Herkunfts- und Zielländer auf Flucht und Migration?

 

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, haben wir uns auf Spurensuche begeben, in Istanbul und in Aachen.

Im Rahmen der Erasmus  Akkreditierung  sind wir vom 20. – 26.03.2022 nach Istanbul gefahren.

Dort haben wir den Bahnhof Sirkeci besucht, von dem vor über 60 Jahren die ersten „Gastarbeiter“ nach Deutschland abgefahren sind. Wir haben in Gesprächen mit dem Hueber Verlag erfahren, dass auch heute viele Menschen in der Türkei sehr daran interessiert sind, Deutsch zu lernen, in Deutschland zu leben, zu studieren und zu arbeiten. In Gesprächen mit den Schüler*innen unserer Partnerschule haben wir uns intensiv mit Fragen von Herkunft und Identität, von gesellschaftlich konstruierter Homogenität und gelebter Vielfalt auseinandergesetzt und ganz konkret beim Besuch des Literaturfestivals Siiristan – Land of Poem im Çemberlitaş Anadolu Lisesi, die beeindruckende Schönheit von Poesie und grenzüberschreitender gelebter Mehrsprachigkeit erfahren.

Istanbul selbst war eine unbeschreibliche Erfahrung für uns! Wir haben die Stadt als atemberaubende, pulsierende und weltoffene Metropole mit einem unermesslichen Schatz an Geschichte und Kultur erlebt, der es auf einzigartige Weise gelingt, Gegensätze von alt und modern, Historie und Zukunft miteinander zu verbinden. Wir haben eindrucksvolle Orte und Kulturstätten besucht wie die Hagia Sophia, die Süleymaniye Moschee, den Topkapi Palast, den Dolmabahçe  Palast, das Archäologische Museum, den Galata Turm, den deutsch-türkischen Freundschaftsbrunnen, den Ägyptischen Obelisk, den Ägyptischen Bazar, den Gewürzbazar, ebenso wie die pulsierende İstiklal Caddesi mit ihren zahllosen Geschäften und Cafés, der wunderbaren ersten deutsch-türkischen Buchhandlung und der historischen Bimmelbahn, die die lange  İstiklal Caddesi befährt. Sehr beeindruckt hat uns, dass alle Schüle*innen in der Türkei kostenlosen Zutritt zu allen Kulturstätten haben – eine Regelung, die wir uns so auch für  Deutschland wünschen würden.

Wir waren viel unterwegs in der Stadt, haben ganz unterschiedliche Stadtteile auf der europäischen und der asiatischen Seite besucht, haben uns in völlig überfüllten Straßenbahnen einen Weg durch den Wahnsinn des Istanbuler Verkehrs gebahnt und andererseits die Ruhe einer Schiffsfahrt auf dem Bosporus genossen und den Luxus einer Fahrradtour auf den autofreien Prinzeninseln gegönnt, ein Unterfangen, dass in der Stadt selbst der reine Wahnsinn und lebensgefährlich ist. Die Stadt ist so voller Leben, dass es uns nachts schwerfiel, ins Bett zu gehen. Und eins ist sicher! Wir kommen wieder!

Erfüllt von vielfältigsten wunderbaren Eindrücken einer viel zu kurzen Woche, meinte ein Schüler bei der Abreise völlig besorgt mit Blick auf den anstehenden Gegenbesuch unserer Partnerschule in Aachen: „Die Armen, was wollen die denn in Aachen“. Doch die Kommentare der türkischen Schüler*innen über den Besuch in Aachen zeigen, dass gerade das überschaubare, ruhige Aachen mit seinen ausgedehnten Wäldern, weidenden Kühen und grasenden Schafen, seiner Grenznähe zu Belgien und den Niederlanden für Schüler*innen, als Kontrast zur Megacity Istanbul seinen ganz eigenen Reiz für die Schüler*innen hat. Schließlich sind es die Gegensätze, die einen anziehen und bereichern. Und am wichtigsten sind schließlich die Menschen, denen wir begegnen. Die RWTH als Exzellenz- Uni macht die Stadt für Schüler*innen unserer Partnerschule ebenfalls attraktiv.

Auch in Aachen und darüber hinaus haben wir uns auf Spurensuche zu unserem Thema Flucht/Migration- Partizipation in Deutschland und in der Türkei begeben. Vom 15. – 20.05.2022 haben uns unsere Gastschüler*innen aus dem Çemberlitaş Anadolu Lisesi Istanbul in Begleitung ihres Schulleiters, Serkan Aydin, des stellvertretnden Schulleiters Süleyman Alpkan AKKUŞ und des Erasmus Koordinators Burç Ertan BAŞDİNÇ in Aachen besucht.

Durch den Besuch der Sonderausstellung „Mustafas Traum“ und der Dauerausstellung im Ruhr Museum Essen, sind wir den Spuren der „Gastarbeiter“ in Deutschland gefolgt und haben einen Eindruck davon bekommen, wie sie in Deutschland gelebt haben. Die Ausstellung „das zerbrechliche Paradies“ im Gasometer  Oberhausen hat uns sehr eindringlich vor Augen geführt, dass Fragen von Flucht und Migration sich künftig in ganz anderen Dimensionen stellen werden, wenn es nicht gelingt, radikal umzudenken, die Klimakrise zu bewältigen und die Schöpfung zu bewahren.

Bei Führungen durch den Aachener Dom, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, und durch die moderne und beeindruckende  Yunus Emre Moschee in Aachen wurde deutlich, wie sich Gesellschaften durch Migration verändern, öffnen, vielfältiger und kulturell reicher werden. Dass Integration und Partizipation  gesellschaftliche Aufgaben sind, die bewusst gestaltet werden müssen, davon konnten wir uns beim Besuch des Kommunalen Integrationszentrums in Aachen und im Gespräch mit seiner Leiterin Sevim Dogan überzeugen.

Fragen von Flucht und Migration bedeuten immer auch Konfrontation mit Grenzen, natürlichen Grenzen, nationalen Grenzen, politischen und sozialen Grenzen, Grenzen im Kopf, wie sprachlichen Grenzen. Mit diesen Fragen haben wir uns im Workshop „Migration und Grenzen“ im Europäischen Klassenzimmer im Aachener Grashaus bei Europe Direct auseinandergesetzt. Gleichzeitig konnten wir beim Ausflug zum Dreiländereck konkret erfahren, dass es möglich ist, Grenzen zu überwinden und grenzüberschreitend friedlich zusammenzuleben.

Abgesehen von der inhaltlichen Projektarbeit war der erste Austausch zwischen dem Couven und dem  Çemberlitaş Anadolu Lisesi eine wundervolle und bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten. Wie wichtig es ist, gerade auch in politischen schwierigen Zeiten, die Jugend Europas zusammenzubringen, machte Bürgermeisterin Hilde Scheidt beim Empfang des Çemberlitaş Anadolu Lisesi im Weißen Saal des Aachener Rathauses deutlich.

Wir haben wunderbare, herzliche, offene, neugierige und lebensfrohe Menschen kennengelernt, so dass aus Fremden binnen kürzester Zeit Freunde und Freundinnen geworden sind, wie die Abschiedsszenen in Istanbul und Aachen eindrucksvoll gezeigt haben.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit zwischen dem Couven Gymnasium und dem  Çemberlitaş Anadolu Lisesi und auf viele spannende Austauschprojekte in den nächsten Jahren.

Ausdrücklich danken möchten wir dem Programm Erasmus Schulbildung. Im Rahmen der Erasmus Akkreditierung des Couven Gymnasiums konnte die Fahrt des Couven nach Istanbul durch das Erasmus Programm finanziert werden.

Für den Besuch des Çemberlitaş Anadolu Lisesi in Aachen mussten andere Finanzierungswege gefunden werden. Herzlich danken möchten wir der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke sowie der Firma Aytex in Aachen-Eilendorf für ihre großzügige finanzielle Unterstützung, die den Austausch zwischen dem Couven Gymnasium und dem Çemberlitaş Anadolu Lisesi  in Aachen erst möglich gemacht haben.

Für die inhaltliche Unterstützung des Programms und für die gute Kooperation danken wir herzlich:

  • Der Stadt Aachen und Frau Bürgermeisterin Hilde Scheidt für den herzlichen Empfang im Rathaus.
  • Dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Aachen und seiner Leiterin Frau Sevim Dogan. sowie der Mitarbeiterin Julia Crasmöller
  • Der Yunus Emre Moschee, ihrem Vorsitzenden Herrn Abdurrahman Kol. sowie dem Iman Herrn Celal Uzun
  • Europe Direct, dem Leiter Herrn Winfried Brömmel und seinem Team
  • Der Alemannia Aachen und Herrn Tribbels sowie der Stadion Beteiligungsgesellschaft und ihrem Geschäftsführer Herrn Bernhard Deil.
  • Dem Verein Eurotürk e. V. und seinem Vorsitzenden Reiner Bertrand.
  • Dem Partnerschaftsverein Aachen-Sariyer und seinem Vorsitzenden Nurhan Karacak

Andrea Genten,  Susanne Becker, Projektkoordinatorinnen Couven Gymnasium Aachen

Serkan Aydin (Schulleiter), Süleyman Alpkan AKKUŞ (stellvertr. Schulleiter), Burç Ertan BAŞDİNÇ (Erasmuskoordinator), Çemberlitaş Anadolu Lisesi Istanbul.

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