Gedenken am 9. November: Schüler des Couven Gymnasiums reinigen den Stolperstein von Fredy Hirsch

Gedenken am 9. November: Schüler des Couven Gymnasiums reinigen den Stolperstein von Fredy Hirsch

Ein grauer Herbstmorgen im November in Aachen – die Füße der Passanten heben und senken sich gleichgültig auf den Gehwegen, man achtet kaum auf die grauen, unscheinbaren Pflastersteine unter sich…

Am 9.11. 2020 soll das anders sein – an diesem Tag fand wie schon im letzten Jahr eine gemeinsame Aktion von Jugendlichen in der StädteRegion zur Reinigung der Stolpersteine statt, die im Straßenpflaster vor den ehemaligen Wohnorten an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern, die während der NS-Zeit Opfer des Nazi-Regimes geworden sind. Wie die anderen Aachener Sekundarschulen hat sich auch das Couven-Gymnasium beteiligt, diesmal mit dem Grundkurs Geschichte Q2 unter Leitung seines Lehrers Jan Vetter. Wie im letzten Jahr wurden die Stolpersteine von Fritz Felsenthal (Gottfriedstr.4) und Fredy Hirsch (Richardstr.7) gereinigt und auf Hochglanz poliert. Inzwischen hat die Schule die offiziellen Patenschaften für die Pflege dieser Steine übernommen.

Fredy Hirsch kann als Vorbild gesehen werden. Durch die Stolpersteinaktion am 9.11. wollen die heutigen Schüler symbolisch seiner und aller anderen Verfolgten des Nazi-Regimes und „stiller Helden“ gedenken und die Erinnerung an ihr Vermächtnis wachhalten. Neben der Reinigungsaktion stand insofern sowohl eine historische Reflexion als auch ein Gespräch über die Stolpersteinaktion auf dem Tagesprogramm, gefolgt von einer Schweigeminute. Danach glänzten die Messing-Stolpersteine von Fritz Felsenthal und Fredy Hirsch sacht im sich durchbrechenden Sonnenschein. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler des Couven Gymnasiums achten nun genauer auf das Straßenpflaster, über das sie im Alltag laufen, und hoffen, dass dies auch anderen Aachenern so ergeht. Erfreulicherweise fanden sie bereits Bestätigung durch Passanten, die Zeuge der Reinigungsaktion waren und ihre Zustimmung aussprachen.

Informationen Fredy Hirsch

Fredy Hirsch wurde am 11. Februar 1916 in Aachen geboren. Von 1926 bis 1931 besuchte er die Hindenburg-Oberrealschule in Aachen, die Vorläuferschule des Couven Gymnasiums. Fredy Hirsch war ein talentierter Sportler und ist sehr aktiv in der Jüdischen Gemeinde. Mit den jüdischen Pfadfindern durchstreifte er die Wälder rund um Aachen bis in die Eifel hinein. 1931 übernahm er in Aachen die Führung einer eigenen Pfadfindergruppe und entwickelte sich bald zu einem glühenden Zionisten, dem später Führungspositionen in Jugendorganisationen wie dem Jüdischen Pfadfinderbund Deutschlands und dem Makkabi Hazair anvertraut wurden. Als homosexueller Jude war er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten doppelt bedroht. Er floh 1935 nach Prag und arbeitete in Böhmen und Mähren in jüdischen Einrichtungen, vor allem der Kinder- und Jugendfürsorge. 1941 wurde Fredy Hirsch nach Theresienstadt, 1943 weiter nach Auschwitz deportiert. Dort trotzte er der SS die Einrichtung eines Kinderblocks im Theresienstädter Familienlager ab, der unter seiner Leitung einen besonderen Schutzraum darstellte und seinen Schutzbefohlenen zahlreiche, für Auschwitz eigentlich undenkbare Privilegien bot. Der Kinderblock ermöglichte Dutzenden Kindern das Überleben. Fredy Hirsch kam am 8. März 1944 im Alter von 28 Jahren unter bis heute nicht geklärten Umständen in Auschwitz ums Leben.

In Yad Vashem, der Jerusalemer Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust, wird Fredy Hirsch als ein „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

Jan Vetter

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