„Never/Forget/Why?“: Jede Postkarte erinnert an ein ermordetes Kind

Aachener Nachrichten vom 13. Juli 2017

Aachen. „Es war schwer, etwas Angemessenes zu finden“, sagt die 18-jährige Mona. Entschieden hat sich die Schülerin des Couven-Gymnasiums schließlich für einen Spruch, „bei dem es ums Vergessen geht, denn das Geschehene soll sich nicht wiederholen“

Um an 15.000 Kinder zu erinnern, die zwischen 1942 und 1945 in Auschwitz ermordet wurden, hat die Wienerin Anna Wexberg eine Aktion ins Leben gerufen, bei der europaweit für jedes ermordete Kind eine Postkarte gestaltet werden soll. Das Couven-Gymnasium beteiligt sich mit 817 Exemplaren an diesem Projekt. „Für viele unserer Schüler der unteren Klassen war es das erste Mal, das sie überhaupt mit dem Thema in Berührung kamen“, sagt Peter Johannes Droste, Lehrer am Couven Gymnasium.

Auch Nada aus der fünften Klasse hat zum ersten Mal im Unterricht von der Judenverfolgung gehört. Sie hat Kinder gemalt und den Aachener Juden Fredy Hirsch, dessen Erinnerung am Couven- Gymnasium hoch gehalten wird. Hirsch, selbst Opfer der Nazis, hat sich in Theresienstadt für die Kinder eingesetzt und zum Teil bessere Haftbedingungen erreicht. Da er aus Aachen stammt und die Vorgängerschule des Couven besucht hat, hält das Gymnasium sein Andenken entsprechend in Ehren.
Jede der von den Schülern gestalteten Postkarten steht für ein ermordetes Kind. Die Vorderseite der Karte ist aus bräunlichem Karton und soll an die Akten der NS-Zeit erinnern. Die Rückseite konnten die Kinder und Jugendlichen frei gestalten. Auch die elfjährige Viona hat sich für einen Text entschieden: Ihrer stellt den Frieden und die Freiheit in den Mittelpunkt.

Alle 15.000 Karten sollen digitalisiert und dann symbolisch in Theresienstadt begraben werden. Denn hier haben die Kinder lange im Lager gelebt, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Als zertifizierte „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“ ist die „skizzierte Erinnerungsarbeit“ nach Meinung der beteiligten Lehrer ein besonderes Gebot.

Und dabei nimmt Fredy Hirsch als „fast vergessener, jüdischer Held“ eine ganz besondere Stellung ein. Nada hat sein Wirken für die Kinder so sehr beeindruckt, dass sie ihn auf ihrer Postkarte verewigt hat. Der Gedanke an die ermordeten Kinder mache sie traurig, sagt sie. Damit sie nicht in Vergessenheit geraten, sind Ausstellungen mit den 15.000 Postkarten geplant.
Der Titel des Projekts „Never, Forget, Why?“ erinnert an die Stempel, mit denen die Nazis die Karteikarten der internierten Kinder versehen haben. Auch die Postkarten, die jetzt gestaltet werden, sind entsprechend bedruckt.
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Ein Kommentar

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