Unterwegs im Tagebau

Atemberaubende Anblicke boten sich den Schülerinnen und Schülern von zwei 11er Erdkundekursen im Tagebau Inden. Zusammen mit ihren Lehrerinnen Frau Hertelt und Frau Falter besichtigten sie das RWE-Informationszentrum in Weisweiler sowie die weiter nördlich gelegene Grube und informierten sich über die Energiegewinning mit all ihren Nebenwirkungen. Ein ausführlicher und bebilderter Bericht findet sich hier.

Kurzbericht

Am Dienstag , dem 1.12.09 trafen sich die Erdkunde Kurse von Frau Falter sowie Frau Hertelt am Hauptbahnhof , um in den Tagebau Inden des Rheinischen Braunkohlenreviers zu fahren.

Als wir um ca. halb zehn im Informationszentrum des  RWE in Weisweiler eintrafen, erhielten wir zunächst eine Einführung von unserem Exkursionsleiter der RWE, Herrn Schmitz, zum Thema Energieerzeugung und Braunkohleförderung.

Anschließend besichtigten wir den Tagebau, indem wir mit einem geländetauglichen Bus durch den Tagebau fuhren. Wir sahen einen riesigen Schaufelradbagger  bei der Arbeit und erhielten eine Menge Informationen zur Braunkohleförderung.

Außerdem wurden uns die umgesiedelten Dörfer gezeigt und Näheres dazu erläutert. Insgesamt erfuhren wir sehr viele Details über das Unternehmen RWE und  über den Braunkohletagebau  des Rheinischen Reviers.

Es war ein aufschlussreicher Ausflug, bei dem wir viel dazu lernen konnten.

Ausführlicher Bericht:

Als wir mit dem Zug in Weisweiler eintrafen konnten wir bereits aus großer Entfernung  unser Ziel anhand einer großen weißen Rauchwolke eines Kraftwerkes erkennen, nämlich den Braunkohletagebau (mit dazu gehörigem Kraftwerk) des Energiekonzerns RWE- Power. Nun also wurden wir von einem Vertreter RWE´s in einem ca. 30 minütigen Powerpoint Vortrag in die Zahlen und Fakten des Energieriesens eingeweiht, wie z.B., dass die Braunkohle immerhin 25% des gesamten deutschen Energieverbrauchs abdeckt. Nach dem Vortrag wurden wir von einem eigens dafür kreierten „Truck“ (Bus) an dem Kraftwerk abgeholt und fuhren dann zu einem Aussichtspunkt an den Tagebau Inden, um die verschiedenen Aspekte des fossilen Energieträgers und der Technik kennenzulernen.

Als wir nach kurzer Fahrt unser Ziel erreichten bot sich uns ein atemberaubender Blick auf den riesigen Tagebau und die darin vorhandenen Bagger und all die anderen Maschinen und Arbeiter. Ob man den Anblick als schön bezeichnen kann ist Geschmackssache. Bei einem Tagebau handelt es sich nämlich, für alle die es nicht wissen,  um ein riesiges Loch. Nach der Betrachtung aus der Höhe fuhren wir über einen etwas unebenen Weg hinab und hielten bei einem der größten Bagger der Welt, der einen nicht an einen für uns „normalen“ Bagger erinnerte, sondern eher an eine riesige Maschine, die aus einem Film stammt. Mit ca. 170m Länge und ca.60m Höhe wunderte es einen allerdings, dass für ein solches Gerät bloß fünf Fahrer benötigt werden! Doch neben den kilometerlangen Förderbändern den riesigen Baggern etc. versucht RWE Power auch die durch den Tagebau zerstörte Landschaft zu rekultivieren. Das bedeutet, dass sie die hier früher ansässigen Tiere und Pflanzen wieder ansiedeln und ein wieder selbst funktionierendes Ökosystem aufbauen wollen. Sogar ein Fluss musste dem Tagebau weichen und verlegt werden.

Doch außer der Inde musste auch ein komplettes Dorf weichen, an das jetzt eine kleine Kapelle mit Gedenktafel aufmerksam macht. Der umgesiedelte Ort wurde nach Absprache mit den Einwohnern neu gestaltet und nicht viel weiter neu aufgebaut. Alles in Allem war der Ausflug interessant und ist für jeden Laien empfehlenswert.

In Kleingruppen erarbeiteten wir folgende Themen zum Leitgedanken: Braunkohlentageabbau im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie:

  • Wirtschaftliche Aspekte: RWE
  • Ökonomie
  • Renaturierung/Rekultivierung

Wirtschaftliche Anliegen der RWE

  • 70.000 Arbeitsplätze
  • 80.000-Ausbildungsplätze jährlich
  • Rekultivierung sollte 15.000 neue Arbeitsplätze in der Tourismus Branche schaffen
  • Sichere Arbeitsplätze
  • optimale wirtschaftliche Nutzung der Neuen Flächen möglich
  • Auszubildenden haben sehr gute Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt, falls sie nicht eingestellt werden sollten
  • das Unternehmen kurbelt regional die gesamte Wirtschaft an

RWE fördert u.a Bereiche wie:

  • Sensorik und Diagnosesysteme an Förderanlagen
  • Online-Messverfahren zur Qualitätssicherung
  • CO²Rauchgasreinigung
  • CO²Biomasse Einbindung
  • Kombikraftwerk zum nahezu CO² freien Stromerzeugung mit integrierter Braunkohle Vergasung

Beteiligt sind sie an :

  • Rheinische Baustoffwerke
  • RE Engineering und Trinkwasser
  • Braunkohlebergbau und Stronerzeugung in Ungarn
  • Handel, Dienstleistung und Braunkohleprodukten

Umsiedlungsprojekte

Wann immer ein neuer Braunkohletagebau entsteht, werden dabei massive Eingriffe in die Landschaft vorgenommen. Diverse Faktoren entscheiden  dabei über die Sozialverträglichkeit des jeweiligen Tagebaus. Einer der wichtigsten stellt dabei der Aspekt der Umsiedlung dar. So ist z. B. der Ort Pier davon betroffen und wird derzeit umgesiedelt, um die Erweiterung des Tagebaus Inden zu gewährleisten. Der zukünftige Umsiedlungsort von Pier wird nicht mehr nördlich der A4 liegen, sondern nordöstlich von Weisweiler und westlich von Langerwehe.

Dabei bemüht sich RWE Power, die Umsiedlung möglichst kostengünstig und stressarm abzuwickeln, wie es bereits vor Jahren bei der Umsiedlung der Orte Inden und Altdorf geschehen ist. Entschädigungsmaßnahmen zeichnen sich beispielsweise durch finanzielle Entschädigung und soziale Einbindung der Umsiedler in den  neuen Ort aus. Ebenfalls wird eine Erhaltungsquote der Straßenstruktur des ehemaligen Dorfes von 80 % gewährleistet und die Bürger haben teilweise die Möglichkeit, über die Lage des neuen Dorfes mitzuentscheiden. So wird eine intakte Infrastruktur und eine einigermaßen angemessene Entschädigung der Bürger gewährleistet. Von den in den letzten 50 Jahren von RWE Power 37.000 umgesiedelten Menschen aus dem Rheinischen Braunkohlerevier haben nur wenige Bürger protestiert, was zum einen daran liegt, dass die Mehrheit von ihnen mit den Umsiedlungen einigermaßen „zufrieden“ war, zum anderen daran, dass ein Großteil von ihnen in der Region für RWE Power arbeitet und es sich nicht leisten kann, Arbeitsstellen zu gefährden.

Ökologische Folgen

Der hohe Flächenbedarf des Tagebaus (Niederrhein: 282 km2) führt zu großräumiger Zerstörung von Landschaft und Siedlungen.

Da Braunkohle im Tagebau nur oberhalb des Grundwassers abgebaut werden kann, muss das Grundwasser auf bis zu 500 m abgesenkt werden („Sümpfungsmaßnahmen“), wodurch schwere ökologische Schäden entstehen. Im niederrheinischen Revier werden jährlich etwa 700 Mio. m3 Wasser abgepumpt, von denen nur 7% der Trinkwasserversorgung zugeführt werden, über 60% werden ungenutzt in den Rhein geleitet, obwohl damit etwa 35 mittelgroße Städte mit Trinkwasser versorgt werden könnten.

Folgen der großräumigen Grundwasserabsenkungen sind Erschwerung der Trinkwassergewinnung, weiträumige Bodenabsenkungen und schwere Schäden an Feuchtgebiete, Pflanzen und Tierwelt. Außerdem werden durch den Abbau große Mengen an Feinstaub freigesetzt.

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